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| Gott |
GottUnter Gott versteht man entweder allgemein ein (meist) unsterbliches, übernatürliches und mit großer Macht ausgestattetes Wesen (im Polytheismus), oder im besonderen ein einziges höchstes personales Wesen (im Monotheismus), das zugleich als der unendliche Grund allen Seins verstanden wird. Es gibt keinen allgemein anerkannten Beweis für die Existenz eines solchen Wesens.
Weniger personalisiert lässt er sich auffassen als das Bestehen überindividueller Zusammenhänge (vgl. Gregory Bateson, Ökologie des Geistes).
Die polytheistische Vorstellung von Göttern manifestierte sich u.a. in den Mythologien der Antike und prägt bis heute schamanistische oder Indigene Religionen in Afrika und Asien, etwa den japanischen Shintoismus. Es gibt aber mit dem Buddhismus, Jainismus und teilweise auch Taoismus religiöse Traditionen, die sich nicht auf einen Gott oder Gottheiten beziehen. Der Monotheismus, der sich zuerst in den Lehren Zarathustras, im Aton-Kult (Religion) des Echnaton und im Judentum ausgebildet hat, wird vor allem von den relativ jungen Religionen wie Christentum und Islam repräsentiert.
Verschiedene Formen monotheistischer Gottesvorstellungen sind:
- der Theismus, der Glaube an einen persönlichen Gott, der die Welt erschaffen hat, sie erhält und lenkt;
- der Deismus, nach dem Gott zwar Schöpfer der Welt ist, aber seit der Schöpfung nicht mehr in das Geschehen der Welt eingreift und sich nicht mehr offenbart;
- der Pantheismus, dessen Anhänger Gott als den nicht transzendenten Inbegriff allen universalen Seins und aller wirkenden Kräfte definieren;
- der Theokratismus, der Glaube, dass Gott Herrscher aber nicht Schöpfer des Universums ist.
Historisch fand in vielen Kulturkreisen eine Verdrängung des Polytheismus durch den Monotheismus statt. Im Abendland erfolgte im Zuge der Aufklärung eine weitgehende Säkularisierung, eine Trennung von Staat und Kirche. Religion und Gottesglaube werden seither in höherem Maße als Privatsache gesehen. Im 19. Jahrhundert formulierte Ludwig Feuerbach in Umkehrung des biblischen Schöpfungsberichts die These, der Mensch habe Gott nach seinem Bilde geschaffen. Friedrich Nietzsche lehnte schließlich jede Gottesvorstellung ab mit dem Ausspruch „Gott ist tot“ (aus „Die fröhliche Wissenschaft“).
Atheistische Sicht
Atheisten lehnen den Glauben an Götter oder ähnliches ab oder vertreten die Auffassung, dass gottartige Wesen nicht existieren bzw. gar nicht existieren können. Begründet wird dies meist mit wissenschaftlichen oder logischen Argumenten (siehe auch Theodizee). Agnostiker dagegen schließen die Existenz höherer Wesen nicht grundsätzlich aus; sie halten sie entweder für unbekannt oder für unerkennbar.
Vorstellungen im Juden- und Christentum
Das hebräische Wort „El“, das wahrscheinlich „Mächtiger“ oder „Starker“ bedeutet, wird in der Bibel in der Pluralform „Elohim“ in Bezug auf den Schöpfer des Universums, im Singular auch auf andere Götterwesen und sogar auf Menschen gebraucht. Oft wird der Begriff für eine „höchste Erscheinung“ verwendet. Dabei wird dieser inklusive Allgemeinbegriff für etwas Göttliches vom exklusiven Namen des einzigen Gottes Jahwe, der mit seiner Rettungstat an Israel untrennbar verbunden ist (Ex 3,14), unterschieden.
„Theos“, das griechische Wort für Gott, entstammt wohl dem Verb „theo“, platzieren. „Theos“ ist demnach wörtlich ein Platzierer, ein Unterordner. Im Neuen Testament kommt es daher auf den Kontext an, um zu erkennen, wer damit gemeint ist.
Jesus als Herrscher auf dem Thron wird Gott genannt (Heb. 1:8) und Paulus (Ap. 28,6), als durch ihn ein Wunder gewirkt wurde. Auch der eigene Körper kann ein Gott sein (Phil. 3,19). Jesus wird „einziggezeugter Gott“ (Joh. 1,18) genannt. Sein Vater ist aber der Gott aller (Eph. 4,6, 1. Kor. 8,4).
Dem jüdischen und christlichen Gott werden (wie auch dem Gott des Islam und der Baha'i) die Attribute Allmacht (Omnipotenz), Wissen (Allwissenheit), Güte, Liebe, Ewigkeit, Unveränderlichkeit und Unendlichkeit zugeschrieben.
Siehe auch: Monotheismus
Der jüdische und christliche Gott trägt den Eigennamen Jahwe (fälschlicherweise oft Jehova), der – alter jüdischer Praxis folgend – auch in modernen Bibeln oft durch den Titel „HERR“ ersetzt ist. Außerdem werden einige weitere Namen und Namenszusätze für Jahwe verwendet, darunter Zebaot (auch "Sabaoth", deutsch: "Herr der Heerscharen").
Jesus Christus wird im Neuen Testament als „Sohn Gottes“ bezeichnet. Die Evangelien berichten, dass er diesen Titel auch für sich selbst beansprucht habe. Die christliche Reflexion führte zur Lehre von der Dreieinigkeit Gottes: Der eine Gott ist Gemeinschaft von Vater, Sohn und Heiligem Geist; der Sohn hat Menschenschicksal bis zum Tod am Kreuz geteilt (Menschwerdung Gottes) und nimmt durch seinen Tod und die Wiederauferstehung alle, die unter der Macht des Todes stehen und ihm vertrauen, in die Gemeinschaft mit dem dreifaltigen Gott auf.
Kritische Sicht des jüdischen, christlichen und islamischen Gottes
Solange es Religion gibt, gibt es kritische Äußerungen zu ihr. Die unterschiedlichen Philosophien und Glaubensarten, die sich mit der Kritik am jeweiligen Gottesbild auseinandersetzen, werden unter dem Begriff Religionskritik behandelt.
Im Licht der Aufklärung lässt sich die „Natur Gottes“ auch als die Glaubensbewegung erkennen, die ihn jeweils verehrt.
Er ist insoweit die Manifestation des transzendenten (über die Wahrnehmung des Einzelnen und des Gegenwärtigen hinausreichenden) Wesens der „kulturellen Masse“ und ihres gemeinschaftlichen Sinngefüges (vergleiche: Gesetz; Weltbild; Sitte; Gruppengefühlsordnung; oftmals verbunden mit dem Anspruch auf Universalität und absoluter Wahrheit).
Aus der Sicht einiger Religionswissenschaftler und Atheisten steht das Verhalten Jahwehs teilweise im Gegensatz zu seinen Eigenschaften: Das Alte Testament berichtet von Situationen, in denen Gott Bruder- und Kindermord und in Kriegen sogar Völkermord angeordnet hat, da die Völker okkulte Praktiken ausübten die "der HERR verabscheut" ( 5. Mose 18, 12 )
In der Religionswissenschaft wird der Jahwe-Glauben manchmal auf externe Quellen zurückgeführt: als Wurzeln bezeichnet werden u. a. Babylon (Inanna; heutiger Irak, die Heimat Abrahams), Ägypten (die Heimat des Mose), Persien (starker Dualismus Gott – Teufel, Ahura Masda – Ahriman), phönizisch (El, Baal (hebr. ba-al zevuv „Herr der Fliegen“), und schließlich Kanaan (Fruchtbarkeitsgottheiten Aschera/Astarte/Astaroth und Dagon, sowie Moloch/Melech hebr. „Herr“, der Kinderopfer fordert). Konservative Theologen bestreiten eine solche Abhängigkeit. Das Alte Testament bezeugt eine kritische Auseinandersetzung mit und eine Absetzung von diesen Gottheiten, so werden die Israeliten in der Bibel ausdrücklich von Gott davor gewarnt dem Götzen Moloch ihre Kinder zu opfern, denn "das verabscheut der HERR euer Gott".
Für gläubige Monotheisten stellt sich die essentielle Frage, warum ein allmächtiger, guter Gott Leiden und Unglück auf der Welt nicht verhindert. Dieses Theodizee-Problem beschäftigt seit Jahrhunderten die Theologen und gilt als ein Argument der Atheisten, Pantheisten und Deisten. (siehe Leibniz)
Wie auch gegen andere religiöse Phänomene oder allgemein den Glauben an übersinnliche Wesen oder Gegebenheiten, wird auch gegen den monotheistischen Gottesglauben von Atheisten religionskritisch eingewendet, es handle sich um bloße Projektion.
Sprachwissenschaftliche Bedeutung
Der Wortstamm von Gott ist sehr alt und ausschließlich im germanischen Raum entstanden. Bezeichnungen sind mittelhochdeutsch, althochdeutsch Got, gotisch Guth, englisch God, schwedisch Gud. Sämtliche Bezeichnungen gehen auf das germanische - guda- (Anruf) Gott zurück, welches ursprünglich sächliches Geschlecht hatte, weil es männliche und weibliche Gottheiten zusammenfaßte.
Nach der Christianisierung wurde das Wort umgedeutet und im gesamten germanischen Sprachbereich als Bezeichnung des meist als männlich empfundenen Christengottes verwendet. Seitdem ist es nur noch unter Der Gott bekannt und würde dem Ursprung nach Das Gott heißen.
Die Herkunft des germanischen Wortes ist bis heute nicht völlig geklärt. Es wird davon ausgegangen, dass der Begriff aus dem substantivierten zweiten Partizip des indogermanischen - ghuto-m der Verbalwurzel - ghau (= [an]rufen) entstanden ist. Nach dieser These wäre Gott das [durch Zauberwort] angerufene Wesen. Weiter kann es auf die indogermanische Wurzel - gheu- (= gießen) zurück geführt werden, wonach Gott als das, dem [mit] Trankopfer geopfert wird zu verstehen wäre.
Vgl. Deutsches Wörterbuch von Jakob Grimm, siehe http://www.dwb.uni-trier.de/index.html
Wortverwendung im allgemeinen Sprachgebrauch
Das Wort Gott findet im deutschen Sprachgebrauch auch außerhalb der Religion Verwendung, gewöhnlich in Formeln, die früher einmal religiöse Bedeutung hatten, heute aber ohne religiösen Beiklang verwendet werden, z. B. in Ausrufen wie „Oh Gott!“, „Gott sei Dank!“, „Um Gottes Willen!“ oder Grußformeln wie „Grüß Gott!“.
Im Niederländischen und Bairischen findet es auch Verwendung in Schimpfwörtern.
Zitate
- „Du hast uns zu deinem Eigentum erschaffen und ruhelos ist unser Herz, bis es ruht in dir.“ (Augustinus von Hippo)
- „Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott.“ (Martin Luther)
- „Wenige Menschen ahnen, was Gott aus ihnen machen würde, wenn sie sich der Führung der Gnade rückhaltlos übergäben.“ (Ignatius von Loyola)
- „Der eigentliche Gott, den die Christenheit anbetet, ist sie daselbst.“ (Ludwig Feuerbach)
- „Gott ist tot, aber so wie die Art der Menschen ist, wird es vielleicht noch Jahrtausende lang Höhlen geben, in denen man seinen Schatten zeigt, und wir, wir müssen auch noch seinen Schatten besiegen.“ (Friedrich Nietzsche)
- „Je mehr wir einander lieben, desto näher sind wir Gott.“ (Abdul Baha)
- „Ich glaube übrigens, dass das gesamte Universum mitsamt allen unseren Erinnerungen, Theorien und Religionen vor 20 Minuten vom Gott Quitzlipochtli erschaffen wurde. Wer kann mir das Gegenteil beweisen?“ (Bertrand Russell)
- „Es gibt nichts, was die Vorstellung von einem persönlichen Gotte unterstützen könnte. Ich bin Atheist. Es gab große Evolutionsbiologen, die an Gott geglaubt haben. Aber ich habe nie verstanden, wie man im Gehirn zwei völlig getrennte Fächer haben kann, und in einem liegt die Wissenschaft und im anderen die Religion.“ (Ernst Mayr)
- „Oh, mein Gott!“ (Umgangssprache)
- „Gott würfelt nicht!“ (Albert Einstein)
Literatur
- Die Bibel
- Der Koran
- Markus Witte (Hrsg.): „Der eine Gott und die Welt der Religionen“. 1. Aufl. Religion & Kultur-Verlag, Würzburg 2003 ISBN 3933891140
- Campbell Joseph: „Die Masken Gottes, 4 Bde. – neuere Erkenntnisse aus Archäologie, Ethnologie und Anthropologie“ ISBN 3-423-59034-3
- Jack Miles: „Gott, eine Biographie“ [über den Gott des Alten Testamentes]. Das Alte Testament als eine Literaturschöpfung der Menschheit; ein Gott, der mit einer großen Verwandlungsfähigkeit in Erscheinung tritt. ISBN 3423307110
- Wolfgang Cramer: „Gottesbeweise und ihre Kritik – Prüfung ihrer Beweiskraft“, Frankfurt am Main 1967 ISBN 3525774109
- John A.T. Robinson: „Gott ist anders“, 1967, B0000BMW32
- Tilman Moser: „Von der Gottesvergiftung zu einem erträglichen Gott“
- Bandini: „Who's who im Himmel“ (Die Götterwelt von A-Z) ISBN 3-423-32539-9
- Pascal Boyer: „Und Mensch schuf Gott“, 2004, ISBN 3608940324
- Reinhard Schmidt: Der Gott der Liebe ist für Leid, Schmerz und Tod nicht verantwortlich. Texte und Gedichte im Spannungsfeld zwischen natürlicher Evolution und christlichem Glauben. Helmbrechts 2004 ISBN 3-8311-0704-1
- Bô Yin Râ: „Das Buch vom Lebendigen Gott“, ISBN 3-85767-073-8
- Friedrich Nietzsche: „Der Antichrist“
Siehe auch
- Gottesbeweis
- Japanische Götter
- Mythologie
- Natürliche Theologie
- Portal:Bibel
- Portal:Religion
Weblinks
- [http://www.autobahnkirche.de/info-container/glauben-leben/gott/gott-info.html Katholische Glaubensinformation zum Thema „Gott“]
- [http://ekd.de/leben_glauben/14.html Informationen der Evangelischen Kirche in Deutschland zum Thema Leben und Glauben]
- [http://www.wo-bist-du-gott.net/ Wo bist Du Gott?] (Wege zur christlichen Glaubenerfahrung)
- [http://www.theologie-systematisch.de/gotteslehre.html Aktuelle Literatur zur Gotteslehre]
- [http://watchtower.org/languages/deutsch/library/w/2002/5/15/article_02.htm Wer ist Gott eigentlich?] (Sicht der Zeugen Jehovas)
Contra Gottesglaube:
- [http://www.forum.jesus.ch/thread.php?threadid=4654&boardid=21 Einsichten und Thesen aufgeklärter Christen]
- [http://www.madeasy.de/1/2nkmgott.htm#n10 An welchen Gott kann man als kritischer und naturwissenschaftlich geprägter Mensch noch glauben ?]
- [http://www.dittmar-online.net/religion/gott/weristgott.html Wer ist eigentlich Gott?]
Kategorie:Theologie
Kategorie:Metaphysik
Kategorie:Religion
ja:神
ko:하느님
simple:God
MachtDas Wort Macht dürfte von den meisten dem Bedeutungs- oder Wortfeld Herrschaft zugeordnet werden. Wörter wie Machtapparat, Machtergreifung, Machtwechsel, Machthaber legen dieses Verständnis nahe.
Etymologie
Im Althochdeutschen, Altslawischen und Gotischen bedeutete das Wort Macht soviel wie Können, Fähigkeit, Vermögen. Vergleichbar stammt das lateinische Substantiv für "Macht", potentia, von dem Verb posse ab, welches heute mit "können" übersetzt wird. Diese Urbedeutung ist bis heute verbreitet. In der politischen Theorie weicht deren Begriffsbildung allerdings heute von dieser etymologisch-naiven Bedeutung ab.
In den meisten Definitionen und Darstellungen der Macht geht es um verschiedene Formen der Einflussnahme innerhalb kleiner oder größerer Gruppen. Dass jemand auch Macht über sich selbst gewinnen kann, dokumentieren Wörter wie Selbstbeherrschung oder Körperbeherrschung. Eine besondere Qualität hat die Macht über den eigenen Körper in der Kunst der indischen Yogi.
Definitionen
- Max Weber: Nach dieser wohl bekanntesten Definition ist Macht "jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht." (Wirtschaft und Gesellschaft) Diese Definition abstrahiert von den Quellen der Macht, sieht also etwa von einer Legitimiertheit der Macht völlig ab.
- Robert A. Dahl: Sein Konzept nennt sich positionelle Macht. Laut Dahl ist Macht "die Fähigkeit von Akteur A einen Akteur B zu einer Handlung zu bewegen, etwas zu tun was Akteur A von ihm verlangt, abzüglich der Wahrscheinlichkeit, dass der Akteur B die von Akteur A gewollte Handlung auch ohne den Einfluß von Akteur A getan hätte." Robert Dahl ist es mit dieser Definition gelungen, Macht in einer mathematischen Formel auszudrücken, die wiederum wie bei Max Weber von der Quelle der Macht abstrahiert und ergebnisbezogen angewendet werden kann.
- John Mearsheimer: Macht ist für ihn rein materieller Natur. Sie wird auch als relationale Macht bezeichnet. Sie ist von Ressourcen abhängig. Als relevante Ressourcen gelten: Territorium, Rohstoffe, Export, Bevölkerungszahlen und Finanzstärke. Die wichtigste Ressource ist die militärische Fähigkeit, sie ist das universelle Machtpotential. Mearsheimers Definition ist eine politische. Sie lässt deutlich seine realismusbehaftete Theorieperspektive erkennen.
- Susan Strange: Sie prägte den Begriff der strukturellen Macht. Für Strange bedeutet er das Machtpotenzial, das Strukturen wie Sicherheit, Kreditkapazitäten, Wissenschaft und die Produktion auf die beteiligten Akteure haben. Akteure sind "mächtig", wenn sie Macht über diese Strukturen besitzen. Mächtig sind Akteure also immer dann, wenn sie in der Lage sind, Strukturen so anpassen zu können, dass es dem eigenen Vorteil gereicht und sich die anderen Konkurrenten/Akteure anpassen müssen. So besitzen sowohl Strukturen selbst als auch alle, die auf sie einwirken können, Macht. Stranges Modell ist sehr vielschichtig und komplex. Es bezieht sich auf globalsoziale Interaktionen und schafft es daher, eine Vielzahl von Größen der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Entwicklung zu vereinen und in ein machttheoretisches Konzept einzubauen.
- Hannah Arendt: Sie vertritt einen abstrakten Ansatz, der "Macht" als das Zusammenwirken von Menschen definiert, also als etwas potentiell Kurzlebiges und Verortbares. Im Unterschied zu Webers Definition kann Macht nach Arendt nicht gespeichert werden und kann somit begrifflich leicht -- und in der Konsequenz streng -- von Ressourcen und Gewalt unterschieden werden. Dabei setzt Arendt nicht voraus, dass die beteiligten Menschen gemeinsame Meinungen, Prämissen oder Ideologien vertreten (Koalitionsfreiheit).
- Joseph Nye: Von ihm stammt das Modell der weichen Macht (soft power). Dieses Konzept bezeichnet die Fähigkeit, einen Akteur durch bestimmte (meist immaterielle) Mittel dahingehend zu beeinflussen, dass er identische Ziele und Bestrebungen entwickelt, wie der handelnde Akteur sie selbst besitzt. Die Mittel, einen anderen Akteur dazu zu bewegen dasselbe zu wollen, was man selbst will, wird als Soft power ressources bezeichnet. Sie sind die Quelle der Macht. (vgl. "Wen man nicht zum Feinde haben will, den soll man sich zum Freunde machen", auch wenn der Spruch etwas abgewandelt ist). Soft power ist zusammengefasst eine Machtkonzeption, die sich aus positioneller, relationaler und struktureller Macht addiert.
- Marshall B. Rosenberg: Spricht im Kontext seines Modells der Gewaltfreien Kommunikation (GFK) von zwei verschiedenen Formen von Macht: strafender und beschützender Macht. Strafende Machtandwendung hat zum Ziel, Menschen in den Einklang mit moralischen Vorstellungen zurückzuweisen, von denen sie, laut Ansicht der Machtanwender, Abstand genommen haben. Beschützende Anwendung von Macht stellt laut diesem Modell im Konfliktfall den Frieden wieder her und hat zum Ziel, dass die Bedürfnisse und Interessen aller Beteiligten berücksichtigt und gewahrt werden.
Machtbezogene Studien in Einzelwissenschaften
Je nach Interesse werden verschiedene Aspekte oder Phänomene der Macht zum Gegenstand der jeweiligen Untersuchung gemacht:
- Psychologische Abhandlungen konzentrieren sich auf das individuelle Verhalten der vom Machtstreben bestimmten oder betroffenen Personen. Ein besonderes Untersuchungsgebiet behandelt die Machtverhältnisse oder Beziehungen in einer (meist kleinen) Gruppe Gruppendynamik.
- Soziologische und politologische Studien untersuchen die Machtverteilung, ihre Ursachen und Auswirkungen in einer Gesamtgesellschaft oder in politisch oder ökonomisch bedeutenden Gruppen (Machteliten).
- Ethnologen unterscheiden z.B. nach dem Grad der Differenzierung der Machtverhältnisse vier gesellschaftliche Organisationsformen: Familienverband, Stamm, Häuptlingsherrschaft, Staat.
- Pädagogen interessieren sich dafür, welcher Unterrichtsstil und welche Methoden den größten Lernerfolg bei den SchülerInnen versprechen.
- Historiker haben vor allem die Generierung von Macht und Herrschaft sowie die Bildung von Machteliten in der Vergangenheit im Blick.
- Literar- und Kunsthistoriker untersuchen unter anderem die Wirkungsgeschichte bestimmter Schriftsteller, Musiker oder bildender Künstler oder aber einzelne ihrer Werke.
- Werbefachleute möchten schließlich wissen, welche Möglichkeiten der Verhaltenssteuerung es gibt, bezogen auf bestimmte Zielgruppen, Werbeträger, Inhalte usw.
- Aus ethischer Sicht ist der Begriff Macht ambivalent. Er hat gewissermaßen eine positive und eine negative Ladung. Positiv zu bewerten sind die konstruktiven Fähigkeiten, negativ die destruktiven. Etwas konkreter und in Anlehnung an Albert Schweitzers Denken und Handeln beweist jemand im positiven Fall durch Rat und Tat Ehrfurcht vor dem Leben, im negativen Fall das Gegenteil. Positive Beispiele sind Zielsetzung und Tätigkeit der NGOs Ärzte ohne Grenzen und Greenpeace. Negativbeispiele sind die ökonomischen, militärischen und politischen Programme und Aktionen, die rücksichtslos auf Profit und Macht aus sind. Die starke Ambivalenz der Macht zeigt sich beispielhaft bei der Triage.
- Die Menschheitsgeschichte lenkt den Blick auf die Entstehung der gegenwärtigen Machtverhältnisse. Die Evolution vom den aufrechten Gang einübenden Vormenschen zum Gegenwartsmenschen verlief nicht geradlinig, sondern vereinfacht gesagt zunächst von der instinktgesteuerten und deutlich sozial strukturierten Horde zum Familienverband der Urgesellschaft, der auf sprachliche Verständigung und Zusammenarbeit angelegt war. Diese erste Phase der Menschwerdung reduzierte die Wirksamkeit der Rangordnung idealiter auf ein Minimum bei optimaler Kooperation. Erst nach Millionen Jahren begann die zweite Phase mit einer Entwicklung in die entgegengesetzte Richtung. Es kam zur Re-Evolution der Rangordnung. Seit dem Sesshaftwerden des Menschen wurde in kürzester Zeit (nach dem Maßstab der Evolution) und in wenigen Schritten (Stammesverband, Häuptlingsherrschaft, Staat) die relativ egalitäre Urgesellschaft durch die extrem hierarchisierte Gesellschaft von heute ersetzt, begleitet von einer Rückkehr der Rangkämpfe. Diese wurden von Jahrtausend zu Jahrtausend verlustreicher und bedrohen inzwischen den Fortbestand der Spezies Homo sapiens. Das macht begreiflich, warum der Historiker Jacob Burckhardt, die Taten der Macht-Eliten vor Augen, zu dem Schluss kam: Und nun ist alle Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe.
Zitate
- Und nun ist die Macht an sich böse, gleichviel wer sie ausübe. Sie ist kein Beharren, sondern eine Gier und eo ipso unerfüllbar, daher in sich unglücklich und muß also andere unglücklich machen. (Jacob Burckhardt, Weltgeschichtliche Betrachtungen, 1905)
- Die fast unlösbare Aufgabe besteht darin, weder von der Macht der anderen, noch von der eigenen Ohnmacht sich dumm machen zu lassen. (Theodor W. Adorno, Minima Moralia, Erster Teil, 1944)
- Die Macht ist nicht etwas, was man erwirbt, wegnimmt, teilt, was man bewahrt oder verliert; die Macht ist etwas, was sich von unzähligen Punkten aus und im Spiel ungleicher und beweglicher Beziehungen vollzieht. (Michel Foucault, Sexualität und Wahrheit 1983, S. 115)
- Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf der Erde. (Jesus Christus, Bibel Neues Testament Mt 28,18)
Literatur
- Wieser, Friedrich: Das Gesetz der Macht. Wien: Springer, 1926.
- Arendt, Hannah: Macht und Gewalt. München: Piper, 1960.
- Canetti, Elias, Masse und Macht,
- Kahl, Stefan: Michel Foucaults politische Analytik. Studien zum Verhältnis von Wissen und Macht. Hamburg: Kovac, 2004
- Neuenhaus, Petra: Max Weber und Michel Foucault. Über Macht und Herrschaft in der Moderne. 1993. ISBN 3890858201
- Greene, Robert: Power - die 48 Gesetze der Macht. dtv, 2001.
- Zenkert, Georg: Die Konstitution der Macht. Tübingen: Mohr Siebeck, 2004.
- Hoffmann, Walter: Macht im Management. Ein Tabu wird protokolliert. Mit einem Vorwort von Jean-Francois Bergier, Zürich: vdf, 2003.
- Hoffmann, Walter: Die Kehrseite der Macht, in: io new mamagement, Nr.9/2004
- Paris, Rainer: Normale Macht. Soziologische Essays. UVK, Konstanz 2005
- Popitz, Heinrich: Phänomene der Macht. Tübingen: Mohr Siebeck (2. Aufl.)´, 1992.
- Rosenberg, Marshall B.: Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens Paderborn: Junfermann, 2001.
Siehe auch
- Synonyme und Begriffe mit ähnlicher Bedeutung: Autorität, Einfluss, Fähigkeit, Gewalt, Herrschaft, Kompetenz, Kontrolle, Möglichkeit, Politische Macht, Potenz, Vermögen, Zwang, Machtdistanz
- Antonyme: Anarchie, Ohnmacht, Unvermögen
- Macht (Star Wars)
Weblinks
- detaillierte Arbeit über Michel Foucaults Machtbegriff [http://www.sicetnon.org/modules.php?op=modload&name=PagEd&file=index&topic_id=52&page_id=244] [Foucault spielt in der gegenwärtigen philosophischen Auseinandersetzung in Machtkontexten eine recht bedeutende Rolle]
- [http://www.bruehlmeier.info/macht.htm "Macht und Autorität in der Erziehung", vom Schweizer Pädagogen Arthur Brühlmeier]
- [http://www.naturalchild.com/marshall_rosenberg/protective_use_of_force.html]
Kategorie:Herrschaftssoziologie
Kategorie:Macht
th:อำนาจ
PolytheismusPolytheismus (v. griech.: poly viel und theoi Götter), auf Deutsch auch als "Vielgötterei" bezeichnet, ist religiöse Verehrung einer Vielzahl von Göttern oder Geistern.
Die meisten Religionen des Altertums waren polytheistisch und verfügten über ein jeweiliges Pantheon traditioneller Gottheiten, häufig angereichert mit Gestalten aus jahrhundertealten kulturellen Begegnungen und Erfahrungen.
Heutige polytheistische Religionen sind vor allem der Shintoismus, Bön, einige Formen von Wicca, Voodoo, und Asatru.
Entgegen einer noch immer verbreiteten Annahme sind Hindus nicht Polytheisten. Ihre Götterwelt ist, von außen betrachtet, anscheinend vielfältig - aber ebensowenig wie Christen sich als Polytheisten bezeichnen, weil sie die Dreiheit von Vater-Sohn-Heiliger Geist anbeten, kann man Hindus Polytheisten nennen. Folgendes kurzes Gebet, in verschiedenen Variationen bekannt, drückt das hinduistische Verständnis vom Göttlichen, hier weiblich gesehen, aus: Wie die Sonne, die sich in den Teichen spiegelt, als ungezählte Sonnen erscheint, so erscheinst auch du, O Mutter, als viele - Du Eine ohne Zweites, Höchstes Brahman! (Mahakalasamhita). Sämtliche Upanishaden setzen sich mit dieser "Einheit in der Vielfalt" auseinander.
Es gibt es eine große Zahl von entsprechenden Glaubensformen traditioneller Stämme in Afrika, einige im Regenwald der ozeanischen Inselwelt (vor allem Papua Neuguinea, dort z.t. sogar Steinzeitkulturen) und in Amazonien. Letztere schrumpfen teils durch das Aussterben dieser Stämme, ihr Aufgehen in der modernen Kultur oder Missionierung durch christliche oder islamische Gruppen. Die äußerst unterschiedlichen Götter- und Geisterwelten der Naturstämme werden oft unter dem Oberbegriff "Animismus" zusammengefasst.
Soweit traditionelle Stämme oder Völker einen neuen monotheistischen Glauben (oder in den sozialistischen Ländern, z.B. der Sowjetunion den Atheismus) aufgezwungen bekamen, wurde und wird der alte polytheistische Glaube oft heimlich von vielen oder wenigen weiterpraktiziert. Bei Nachlassen des staatlichen oder sozialen Drucks entstanden und entstehen dann teilweise Mischreligionen. So gibt es in Südamerika sowohl Mischreligionen zwischen Christentum und alten polytheistischen religösen Vorstellungen bestimmter Indiostämme als auch zwischen Christentum und alten polytheistischen Glaubensystemen der Nachkommen der vor allem aus Westafrika in die Sklaverei verschleppten Menschen.
Teilweise werden die Glaubenssysteme der Völker und Stämme, bewahrt oft von wenigen Menschen, auch komplett reaktiviert, wie dies zur Zeit bei einigen kleinen Völkern in Sibirien zu beobachten ist. Solche Reaktivierungen gibt es auch bei bei Teilen einiger nordamerikanischer Indianerstämme. Eine sehr kleine Zahl von Menschen versucht sogar seit Jahrhunderten ausgestorbene polytheistische Systeme, über deren tatsächlichen Inhalt kaum etwas bekannt, ist wie den keltischen Glauben und Götterhimmel wiederzubeleben. Trotz Verwendung alter Namen und Zeichen handelt es sich dabei aber um Neuschöpfungen, weil die dort übliche orale Tradition abgerissen ist und durch moderne Spekulation ersetzt werden muss.
Der Buddhismus wird zumindest von seinen Angehörigen nicht als polytheistisch angesehen. Jedoch verfügen einige Glaubensrichtungen über einen umfangreichen Götterhimmel, denen teilweise in Gebet, durch Opfer und durch vielfältige Rituale gehuldigt wird.
Einige jüdische und islamische Gelehrte verstehen die christliche Trinitätslehre ebenfalls als Polytheismus, was die Christen deutlich zurückweisen. Die Lehre des Mormonismus von der "Mehrzahl der Götter" wird von anderen Christen als polytheistisch bezeichnet, was die Mormonen wiederum zurückweisen.
Polytheismus im Altertum
Zu den bekannten Götterwelten des antiken Polytheismus zählen die der sumerischen Götter; der griechischen und römischen Götter; der ägyptischen Götter, die skandinavischen Aesir und Vanir, Orisha, Yoruba, die Götter der Maya und Azteken. Heute bezeichnet man die meisten historischen polytheistischen Religionen als Mythologie
Nur wenige Religionen des Altertums waren nicht polytheistisch. Dazu zählen das monotheistischen Judentum und Christentum, der dualistische Zoroastrianismus sowie der Mithraismus und evtl. der kurzlebige Atonismus des Echnaton in Ägypten um 1350 v. Chr.
Dagegen herrschte bei nahezu allen Stämmen und Völkern der Frühzeit die Vorstellung, dass es viele Götter und Göttinnen gebe. Bereits eine sumerische Götterliste aus der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends umfasst rund 1000 Götternamen, die vor allem verschiedene Kräfte der Natur repräsentieren.
Warum die Menschen der Frühzeit in ihren Bemühungen ihre Umwelt und ihr Schicksal zu verstehen und zu bewältigen eher einen Pantheon von Göttern und Göttinnen aufbauten, als an einen einzigen Gott zu glauben, kann man exemplarisch illustrieren an einem mesepotamischen Mythos, der komplett auf einen Keilschrifttäfelchen ca. aus dem Jahr 1700 v.Chr. zu finden ist. Fragmente dieses Mythos findet man aber auch noch auf Resten von Täfelchen aus der Zeit 700 v. Chr. - er ist also mindestens 1000 Jahre lebendig geblieben. Die Götter beauftragten den Pestgott Namtar die Menschen zu vernichten. Dieser begann sie mit der Pest zu töten. Ein Gott aber, der Mitleid mit den Menschen hatte, nämlich Enki, verriet dem Menschen Atrachasis ein Ritual mit der sie die Seuche besiegen können. Die Menschen sollen von allen Göttern ausschließlich den Pestgott Namtar verehren und nur ihm opfern und zwar bis er überschüttet mit Opfern von seinen tödlichen Tun ablässt. So geschieht es. Dank der Opfer lässt der Pestgott von seinem Wüten ab und die Menschheit lebt weiter. Nun beschließen die Götter, dass der Regengott Adad es nicht mehr regnen lassen soll und die ihm zugeordnete Korngöttin Nisaba kein Korn mehr wachsen lassen soll. So geschieht es. Und wieder verrät der Gott Enki dem Atrachasis das rituelle Gegenrezept: Nun verehren und opfern die Menschen allein Adad und Nisabe, und zwar bis Regen fällt und die Vegetation wieder auflebt. Dieser Mythos zeigt die Ursache für den Polytheismus. Die Menschen in ihrer Sorge Gefahren wie Seuchen abzuwenden und lebensspendende Zustände wie Regen, Sonne oder Fruchtbarkeit der Pflanzen und Tiere aufrecht zu erhalten, suchen Wege dies durch magische und rituelle Handlungen abzusichern und stellen sich für das jeweilige Problem Götter und Göttinnen als ansprechbare und beeinflussbare personale Wesen vor. Einige der Völker stellen sich die Götter in Menschengestalt vor (anthropomorph), einige in Tiergestalt (zoomorph), einige in beiden Gestalten und teilweise auch als Mischwesen. (Schon in den Felszeichnungen als ältesten Zeugnissen menschlicher Bilddarstellung gibt es Tierdarstellungen, Menschendarstellungen und vereinzelt Mischwesen.) Im mesepotamischen und im kanaanitischen Pantheon haben die Götter und Göttinnen fast durchgehend Menschengestalt. Tiergötter und Menschtiermischwesen finden sich dagegen stark vertreteten in Ägypten und im amerikanischen Kulturkreis.
In vielen Zivilisationen neigten die Götterwelten dazu, mit der Zeit anzuwachsen. Gottheiten, die zunächst zum Schutz bestimmter Städte oder Plätze angebetet wurden, wuchsen mit der Vergrößerung der Reiche zu mächtigen Nationalgöttern heran. Eroberungen konnten zur Unterordnung eines älteren Pantheon in der besiegten Kultur führen bis ein neueres entstand, wie in der griechischen Titanomachie und vielleicht auch bei Aesir und Vanir in Skandinavien. Kultureller Austausch konnte dazu führen, dass "die gleiche" Gottheit an zwei Orten unter unterschiedlichen Namen verehrt wurde, wie es bei den Griechen, Etruskern und den Römern der Fall war. Ähnliches geschah bei der Einführung von Elementen einer "fremden" Religion in einen lokalen Kult, als die ägyptische Osirisreligion nach Griechenland gebracht wurde.
Erdichten, Erschauen, Import von Göttern
Es ist zu vermuten, dass die Gründe für den Import von Göttern und Mythen die gleichen sind, wie die Gründe für das bewusste "Erdichten" oder das
"Erschauen" von Göttern und deren Funktion und Geschichten in erinnertem Traum oder Visionen und Trance - seien sie bewusst oder unbewusst hervorgerufen durch Schlaf, Zeremonien, Meditationstechniken, Hunger (Fasten), Drogen, überlangem Wachen (Schlafentzug) oder auch Krankheiten (z.B. Fieberträume) oder Fehlfunktionen des Gehirns).
Insbesondere dem Erdichten kommt wohl allerdings eine größere Rolle zu, als gemeinhin angenommen wird. Der Gilgamesch-Epos, um die älteste Schicht sumerischer Überlieferung anzusprechen ist religionsschöpfend, hat aber weder etwas von einer Vision noch gar etwas von einem Fiebertraum. Es geht viel mehr um Weltverständnis, Welterklärung und um Fertigwerden mit der Welt, dem Zusammenleben mit anderen Menschen und damit um Fertigwerden mit dem eigenen Leben. Die Menschen suchen einen Weg, ein Taoist würde sagen das Dao, durch das Leben. Von dem uralten sumerische Zyklus um die Liebesgeschichte von Inanna und Dumuzi wurden bisher 38 Liebeslieder, die gleichzeitig Kultgesänge sind, mit 1700 Versen gefunden. Auch hier liegt hochwertige religiöse Dichtung vor, nicht die Niederschrift eines Fiebertraumes. Wem das ungewöhnlich erscheint, sollte sich einmal anschauen, wieviele Geschichten man über erfundene Völker, Welten, Fabelwesen, Dämonen und Wunder - neu erschaffen - in einer jeden Buchhandlung in der Ecke mit Fantasy und Science Fiction finden kann. Den Menschen ging es aber damals nicht darum, sich in eine bunte und spannende Phantasiewelt zu träumen, obwohl auch dieses Motiv in manchen Geschichten und Mythen sichtbar ist, sondern um ein Zurechtfinden in der Welt, ein Zurechtfinden mit ihrem Leben und auch um Kontrolle über dieses Leben und auch das Unkontrollierbare, wie der Aussicht zu Sterben. Schon die frühesten Handelsbeziehungen führten auch zu Kontakten mit fremden Mythen und Glaubensvorstellungen. Soweit diese faszinierend sind, werden sie gehört und später auch gelesen, so wie man heute noch die ja ebenfalls vom Ursprung her religiösen Sagen der Griechen, Römer und Germanen liest, ohne dass mehr als eine handvoll der Millionen Leser beginnt griechische Götter anzubeten. Wenn die Annahme dieser Geschichten und Glaubensinhalte als wahr aber verspricht eine Minderung eigenen seelischen Leides (Ängste, Unsicherheit, Trauer, Einsamkeit, Sinnlosigkeit, Zweifel etc.) oder eine Verbesserung des seelischen Zustandes (Ermutigung, Sinn, innere Ruhe, Entschlossenheit, Tröstung, Geborgenheit), positive Gemeinschaft mit Menschen und Kontrolle über das eigene Schicksal, bedrohliche oder erwünschte Naturkräfte und Menschen, ist mit der Annahme eines neuen Mythos bzw. Glaubens zu rechnen.
Götter und Göttlichkeit
Obgleich viele Formen des Buddhismus, vor allem im Mahayana, die Verehrung von Bodhisattvas mit einschließen, werden diese nicht als göttliche Wesen betrachtet. Eher gelten Bodhisattvas als Menschen, die ein hohes Stadium der Erleuchtung erreicht haben und ein buddhistisches Gebot ist, das über den Weg vieler Lebensalter, bestimmte Menschen einen ähnlichen Zustand der Erleuchtung auch erreichen können.
Dass eine Person an mehrere Götter glaubt, deutet nicht an, dass er sie alle notwendigerweise gottesdienstlich verehrt. Zahlreiche Polytheisten glauben an eine Vielfalt von Göttern, aber verehren nur einen. Diese Variante des Polytheismus wird ist Henotheismus genannt. Einige sehen im henotheistischen Polytheismus eine Form des Monotheismus, einige Historiker meinen, die monotheistischen Religionen seien im Henotheismus entstanden. Praktisch alle Juden, Christen und Moslems heute sehen jedoch den Henotheismus als Polytheismus an.
Idolatrie
Viele Monotheisten sehen im Polytheismus eine Form des Götzendienstes. Für Monotheisten kommt alle Macht allein von Gott, und nicht von anderen übernatürlichen Göttern oder deren Stellvertretern.
Nach polytheistische Anschauungen ist "Gott" bestenfalls bloß der stärkste der Götter; solch ein Wesen könne nicht allmächtig sein, und folglich könne solch ein Gott keinen souveränen Willen haben.
Da Monotheisten glauben, Gott sei der einzige Gott, stufen sie den Polytheismus generell als Sünde ein.
Im Gegensatz zu Monotheisten erheben die vielen Götter und Göttinnen eines Polytheisten keinen Alleinigkeitsanspruch. Der Begriff "Götzendienst" leitet sich direkt vom Alleinigkeitsanspruch des monotheistischen Gottes ab. Da ER (von einer Sie wird bislang an dieser Stelle nie berichtet) der einzige wahre Gott ist, können alle anderen Götter nur Trugbilder und Götzen sein.
Weblinks
- [http://www.theologie.uni-goettingen.de/ger_nofr/graduiertenkolleg.htm Graduiertenkolleg "Götterbilder-Gottesbilder-Weltbilder. Polytheismus und Monotheismus in der Welt der Antike"]
(Eine an der Universität Göttingen beheimatete, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Gruppe interdisziplinär arbeitender Nachwuchsforscher(innen), die sich mit verschiedenen antiken Religionen und dabei insbesondere mit dem Verhältnis von Polytheismus und Monotheismus beschäftigt.)
Siehe auch
- Agnostizismus
- Atheismus
- Deismus
- Theismus
- Monotheismus
- Pantheismus
- Henotheismus
- Monolatrie
- Schirk
- Kufr
Kategorie:Theismus
ja:多神教
MonotheismusDer Begriff Monotheismus (von griechisch μονος monos = ein und θεος theos = Gott) bezeichnet Religionen, die nur einen allumfassenden Gott kennen und anerkennen. Damit werden diese in der Religionswissenschaft vom Polytheismus unterschieden, der viele Götter kennt und verehrt. Religionen, die viele Götter kennen, aber nur einen davon als höchsten Gott anerkennen, bezeichnet der Begriff Monolatrie.
Die bekanntesten dem Monotheismus zugeordneten Religionen sind
- das Judentum,
- das Christentum und
- der Islam.
Ausprägungen
Es gibt verschiedene Ausprägungen des Monotheismus:
- Der Theismus argumentiert für einen persönlichen Gott, der zu verehren ist; die Persönlichkeit unterscheidet den Gott von einer anonymen Gottheit, die nur durch ihre Wirkung und Kraft sichtbar wird.
- Der Deismus nimmt die Existenz eines Gottes an; dieser hält sich aber seit seiner Schöpfung der Welt fern. Gebetserhörungen oder Wunder finden nicht mehr statt.
- Im Pantheismus wird das ganze Universum als eins mit Gott angesehen. Einen personifizierten Gott gibt es hier nicht.
- Der Panentheismus sieht das Universum als Teil Gottes, aber nicht identisch mit ihm.
Das Gegenteil vom Monotheismus ist der Polytheismus, der eine Vielzahl von Göttern annimmt. Gibt es mehrere Götter und wird dabei einem der unbedingte Vorrang eingeräumt spricht man von Monolatrie. Der jüdische Monotheismus ist wahrscheinlich aus einer Monolatrie hervorgegangen.
Der Dualismus kennt genau zwei Götter, die als Gut und Böse einander entgegenwirken.
Typische Kennzeichen klassisch monotheistischer Religionen
Im folgenden wird auf die besonderen Kennzeichen in erster Linie von Judentum, Christentum und Islam eingegangen.
Gottesvorstellung
Monotheistische Religionen erkennen nur einen einzigen Gott an. Es ist ein personaler Gott, der als Individuum erscheint und als eine Instanz jenseits von dieser Welt gedacht wird. Er hat den Kosmos erschaffen und kann in das Weltgeschehen eingreifen.
Er wird als allwissend, allmächtig und allgegenwärtig angesehen. Des weiteren trägt er Eigenschaften, die in der menschlichen Gesellschaft gemeinhin als positiv erachtet werden, jedoch in absoluter Form: unfehlbare Gerechtigkeit, allumfassende Liebe und Güte.
Es werden ihm traditionell Bezeichnungen männlichen Geschlechts zugeschrieben, wie beispielsweise „Herr“, „Vater“.
Gottesabbildungen sind verboten.
Die Gläubigen können im Gebet mit ihrem Gott in Verbindung treten. Es gibt rituelle Gebetstexte, aber auch individuelle Gebete, die der Gläubige selbst gestaltet.
Menschenbild
Geist und Körper
Im Monotheismus besteht der Mensch zum einen aus einem physischen Körper, zum anderen aus einer Seele (dem Geist, Charakter). Im Christentum wird noch einmal unterschieden zwischen Seele und Geist. Die Seele besteht aus dem Verstand und den Gefühlen. Der menschliche Geist ist durch die Annahme von Jesus Christus (Wiedergeburt) mit dem Geist Gottes versiegelt. Die Seele, bzw. der Geist wird dabei höher geschätzt als der Körper, da sie im Gegensatz zum Fleisch unsterblich sind und auch nach dem Tod des Körpers weiter bestehen.
Auch wurden Körperlichkeit und Sexualität (im Christentum) tendenziell als sündhaft gesehen und in asketischem Anspruch zu überwinden versucht.
Tod und Sünde
Die unsterbliche Seele des Menschen wird nach dem Tod entweder in die Hölle, die Ewige Verdammnis geschickt, oder sie darf „zu Gott zurückkehren“ und kommt in den Himmel. Diese Entscheidung hängt davon ab, welche moralische Qualität die Handlungen des Menschen zu seinen Lebzeiten hatten.
Nach monotheistischer Vorstellung hat jeder Mensch nur ein einziges Leben. Hier liegt eine lineare Zeitvorstellung zugrunde, im Gegensatz beispielsweise zur Reinkarnationslehre, derzufolge der Mensch in endlos ablaufenden Zyklen wiedergeboren wird.
Siehe auch: Sünde
Weltbild
In der monotheistischen Vorstellung beginnt die Welt mit ihrer Erschaffung durch Gott und endet mit dem Tag des Jüngsten Gerichts.
Die Welt wurde von Gott erschaffen, hat jedoch darüber hinaus nicht Teil an seinem göttlichen Wesen.
Offenbarung
Gott kann sich durch Propheten offenbaren.
Es gibt sogenannte heilige Schriften, die als Gottes Wort gelten und deshalb einen großen Stellenwert einnehmen.
- Im Judentum ist es der Tanach.
- Das Christentum erkennt zusätzlich zum Tanach, der hier Altes Testament genannt wird, das Neue Testament als Gottes Wort an. Die Testamente werden in der Bibel zusammengefasst.
- Der Islam erkennt die jüdisch-christlichen Traditionen als von Gott geoffenbart an. Die vollkommenste Offenbarung, in der die Lehre Gottes endgültig dargelegt ist, ist für Muslime jedoch der Qur'an (Koran).
- Für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ("Mormonen") gilt zusätzlich zur christlichen Bibel das Buch Mormon und noch zwei weitere Schriften.
- Bei den Baha'i ist es u.a. der Kitab-i-Aqdas. Die Bibel und der Koran, aber auch die Schriften anderer Religionen (wie die Lehrgespräche Buddhas) werden als heilige Schriften verehrt und neben den umfangreichen Schriften Baha'u'llahs (siehe: Liste Heiliger Schriften) in den Häusern der Andacht rezitiert.
Beispiele
Monotheistische Religionen sind beispielsweise das Judentum, der Islam, das Christentum und die Neuzeitreligion der Baha'i.
Aus Sicht von Juden, Muslimen und Unitariern wird zum Teil in Frage gestellt, dass das Christentum eine monotheistische Religion ist. Diese Kritiker behaupten, die Trinität (Vater, Sohn, Heiliger Geist) sei ein Tritheismus, also der Glaube an drei Gottheiten. Im Sohn beteten die Christen zudem Jesus als Gott und als Menschen an, da er beides sei, ohne die menschliche Erbsünde.
Der Monotheismus ist geschichtlich belegt, seit der ägyptische Pharao Echnaton (Amenophis IV.) Aton als alleinigen Gott Ägyptens bestimmte. Dabei ist unklar, ob Echnaton die Existenz andere Götter bestritt oder nur Aton (besondere) Verehrung zukommen lassen wollte. (Von manchen Autoren wird aber der Auszug der Israeliten aus Ägypten auf das 15. vorchristliche Jahrhundert, also vor Echnaton, datiert. Diese Datierung ist allerdings nicht geschichtlich belegt.)
Zoroastrismus wird gelegentlich als älteste (bekannte) monotheistische Religion angesehen.
Allerdings ist der Hauptgott Ahura Mazda nicht alleiniger Schöpfer.
Es wird allgemein angenommen, dass die altisraelitische/judäische Religion ihre monotheistische Lehre erst seit dem 5. Jhd. v. u. Z. unter Einflüssen von zoroastrischem und klassisch-griechischem Gedankengut entwickelt habe und vorher ihren Gott (Jahwe) nur als den eigenen Stammesgott (neben Göttern anderer Stämme oder Völker) verstand.
Diese These entspricht allerdings nicht dem Selbstverständnis der heutigen Religionen Judentum, Christentum und Islam, die ihren Gott als den einzigen wahren Gott verstehen und alle anderen Götter als von Menschen geschaffene Abgötter ansehen.
Abgrenzungen
Obwohl Monotheismus und Polytheismus sich per definition ausschließen, ist in der Praxis eine Unterscheidung nicht einfach.
Anhänger polytheistischer Religionen sind oft de facto Monotheisten, da sie nur einen der Götter ihres Glaubenssystems verehren. Man spricht in diesem Falle von Henotheismus.
In polytheistischen Religionen finden sich auch monotheistische Lehrmeinungen, die die vielen Götter nur als Aspekte oder Manifestationen einer eigentlichen Gottheit verstehen, etwa in den neohinduistischen Strömungen.
Die These von einem Urmonotheismus, wie sie etwa der katholische Pater Wilhelm Schmidt in seiner Schrift "Ursprung und Werden der Religion" von 1930 vertritt, ist empirisch nicht haltbar. Nicht alle Religionen enthalten den Glauben an ein Höchstes Wesen; in vielen afrikanischen Religionen, wo heute ein solches vorgefunden werden kann, deutet nicht nur das Fehlen eines Kultes darauf hin, dass der Hochgott quasi durch christliche Missionare "gestiftet" wurde, sondern auch der Vergleich historischer Zeugnisse kann dies im Einzelnen belegen.
Ähnliche Bezeichnungen
- Abrahamitische Religionen: Gemeint sind diejenigen monotheistischen Religionen, die auf Abraham als Stammvater aufbauen (Judentum, Christentum, Islam, Bahai).
- Eingottglaube: deutsch für Monotheismus
- Offenbarungsreligionen: Dieser Begriff leitet sich daraus ab, dass die Lehre der monotheistischen Religionen im Laufe der Geschichte durch Gesandte Gottes offenbart wurde.
- Schriftreligionen: Im Judentum, Christentum und Islam gibt es heilige Schriften, die als Gottes Wort gelten. Daher werden sie manchmal als Schriftreligionen bezeichnet.
Literatur
- Brugger, Walter: Philosophisches Wörterbuch, 21. Auflage, Freiburg 1992. ISBN ISBN 3-451-20410-X
- Cramer, Wolfgang: Gottesbeweise und ihre Kritik – Prüfung ihrer Beweiskraft, Frankfurt am Main 1967. ISBN 3-465-00070-6
- Kälin, Bernhard: Lehrbuch der Philosophie. Band I: Logik, Ontologie, Kosmologie, Psychologie, Kriteriologie und Theodizee, Sarnen 1957
- Lehmen, Alfons: Lehrbuch der Philosophie auf aristotelisch-scholastischer Grundlage; Band III: Theodizee, fünfte, verbesserte Auflage, Freiburg im Breisgau 1923
- Seidl, Hans (Hrsg. und Übersetzer): Die Gottesbeweise in der „Summe gegen die Heiden" und der „Summe der Theologie", zweite Auflage, Hamburg 1986. ISBN 3-7873-1192-0
- Thomas von Aquin: Summe der Theologie, deutsch-lateinische Ausgabe, hrsg. vom kath. Akademikerverband, Salzburg 1934
- Thomas von Aquin: Summe gegen die Heiden (Summa contra gentiles) Lateinisch – Deutsch, hrsg. und übersetzt von Karl Albert und Paulus Engelhardt unter Mitarbeit von Leo Dümpelmann, Sonderausgabe, Darmstadt 2001
- Vries, Josef de: Denken und Sein, Ein Aufbau der Erkenntnistheorie, Freiburg 1937
- Jan Assmann: Die mosaische Unterscheidung oder: Der Preis des Monotheismus. Carl Hanser Verlag, 2003; ISBN 3-446-20367-2
Weblinks
- [http://www.theologie.uni-goettingen.de/ger_nofr/graduiertenkolleg.htm Graduiertenkolleg "Götterbilder-Gottesbilder-Weltbilder. Polytheismus und Monotheismus in der Welt der Antike"]
(Eine an der Universität Göttingen beheimatete, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Gruppe interdisziplinär arbeitender Nachwuchsforscher(innen), die sich mit verschiedenen antiken Religionen und dabei insbesondere mit dem Verhältnis von Polytheismus und Monotheismus beschäftigt.)
Siehe auch
- Abrahamitische Religion
- Natürliche Theologie
Kategorie:Theismus
ja:一神教
PersonPerson hat mehrere Bedeutungen:
Person im alltäglichen Sinn meint einen bestimmten Menschen, dem soziologisch eine bestimmte Rolle (Frau, Vater), ein Amt (Richter), ein Beruf (Krankenschwester) oder eine Herkunft (Bayer) zukommt und juristisch ein bestimmtes verfassungsrechtlich festgelegtes Subjektsein (Rechte und Pflichten). Dieser Person-Begriff ist also ein Sammelbegriff für die Erscheinung eines Menschen.
Person im philosophischen Sinn meint ein bestimmtes Menschenbild: eine Theorie des Menschseins: was ein Mensch wesentlich ist: was die Elemente sind, die sein Menschsein qualifizieren, bestimmen: die ihn zu dem machen, was er als Mensch bzw. Person ist (z. B. dass er ein Sozialwesen ist, eine Individualität hat und ein Vernunftwesen bzw. Geistwesen ist, dass er wesentlich auf die Natur bezogen ist, die ihm im Kosmos und der geologischen, meteorologischen und biologischen Umwelt vorgegeben ist). Dieser Person-Begriff bezeichnet das Wesen des Menschseins, mitunter auch Personalität genannt.
"Person" darf nicht mit "Persönlichkeit" verwechselt werden, denn dies bezeichnet die Menge aller individuellen Eigenschaften eines Menschen. Dazu zählen biologische Merkmale und psychische, also die genetische Ausstattung eines Menschen und sein Charakter.
Wortherleitung
Die Herkunft des Wortes Person ist nicht vollständig geklärt; es existieren hierzu zwei verschiedene Theorien. Fest steht lediglich, dass es im 13. Jahrhundert als person, persone aus lat. persona ins Deutsche übernommen wurde. Der Ursprung des lateinischen Begriffes ist jedoch umstritten.
Manche halten den Begriff als Entlehnung aus gr. prosôpon, "Maske, Rolle, Mensch"; einer anderen (und von den meisten Etymologen heute für wahrscheinlicher gehaltenen) Theorie zufolge stammt es jedoch aus etrusk. phersu; Maske.
Hinter dem Wort "Person" steht das tiefenpsychologische Bild, dass alle Menschen in den meisten Situationen nicht 100% sie selbst sind, sondern sich wie Schauspieler verhalten, die ihre Rolle mehr oder weniger gut spielen. Hört man genau auf das was jemand sagt, also das was seine Maske durchtönt (lat. per'son'are = durch'tön'en), so erhält man vielleicht einen tieferen Einblick in die wirkliche "Person". Vgl. hierbei das antike Theater, bei der mehrere Personen von einem Schauspieler mit unterschiedlichen Masken (durch die die Schauspieler dann sprachen) gespielt wurden.
Das Begriffsfeld Person erstreckt sich über verschiedene Zweige der Geistes-, Human- und Gesellschaftswissenschaften:
Philosophie
In der klassischen Philosophie ist die Definition des Boethius der Ausgangspunkt des Personenverständnisses: Persona est rationalis naturae individua substantia, d.h. Person ist die individuelle Substanz rationaler (vernünftiger) Natur. Dies meint, dass der Erscheinung des Menschen als denkendem Lebewesen ein sinnlich nicht wahrnehmbarer Wesenskern zugrunde liegt, der seiner denkenden und körperlichen Natur sinnlich verborgen zugrunde liegt, also metaphysisch ist (meta: über, hinter; physisch: naturhaft).
"Person" in diesem Sinne wurde in der mittelalterlichen Philosohie dann öfter mit dem Begriff "unsterbliche Seele" identifiziert. In der Philosophie der Neuzeit (Aufklärung) wurde dieser Personen-Begriff dann vielfältig kritisiert (diese metaphysische Dimension argumentativ bestritten), und in der Folge dann nicht mehr oft mit "unsterblicher Seele" identifiziert.
Kant unterscheidet deutlich zwischen dem Personbegriff als Vernunftwesen (Person: Lebewesen das nach vernünftigen Prinzipien denken kann und von daher seine Würde als Person erhält, die Tieren nicht zukommt, weil sie ein solches Vermögen nicht besitzen) und der "unsterblichen Seele" als reiner Vernunftbegriff: einer in der Vernunft vorkommenden Idee, auf die man denkerisch nach Kant zwingend stößt, wenn man den Begriff der Vernunft als moralischer Vernunft konsequent durchdenkt. Näheres zum Seelen-Begriff Kants unter Seele.
In moderneren philosphischen Strömungen sind Personen die Subjekte der Ethik. Manche Ethiker, so Peter Singer, unterscheiden zwischen Mensch und Person. Diskursethisch lasse sich dies so begründen, dass nur der Mensch als Person gelten kann, der in der Lage ist, sich im Diskurs zu äußern. Kritiker wie Robert Spaemann stellen Singers Unterscheidung zwischen Mensch und Person in Frage, durch die Graduierungsunmöglichkeit zwischen 'etwas' und 'jemandem', sowie der biologischen Zugehörigkeit zum Menschengeschlecht als alleinigem Kriterium für Personalität. Auch Vertreter des Naturrechts argumentieren, dass dem Menschen - durch seinen Geist - von Anfang an und in allen Situationen (also etwa auch im Koma) das Personsein und damit seine besondere Würde zukommt.
Genauso erkennt der Personalismus, besonders der jüdische (z.B. Martin Buber) und der christliche (z.B. Romano Guardini), jedem Menschen das Personsein zu: Der Mensch ist an sich Person und dialogfähig (dialogischer Personalismus). Romano Guardini unterscheidet darüber hinaus zwischen Person als Wesensbegriff und Persönlichkeit als Individuation. In diesem Zusammenhang stellen sich die Fragen nach Verhältnis von Person und Welt sowie Person und Masse im Kontext einer Bedrohung durch Entpersönlichung/Depersonalisation (vgl. Ricarda Huch).
Die Christliche Soziallehre erkennt daher in der Personalität neben der Solidarität, Subsidiarität sowie dem Gemeinwohl und der Gerechtigkeit eines der Prinzipien für ein gelingendes menschliches Zusammenleben in Gesellschaft und Staat. Einen grundlegenden philosophisch-theologischen Überblick schuf Markus von Hänsel-Hohenhausen: Vom Antlitz in der Welt (Frankfurt/M. 2005; englisch: The Countenance in the World, London 2005).
Psychologie
In der Psychologie wird Person mit dem Menschen als Einzelwesen gleichgesetzt, der über eine Gesamtmenge an Anlagen und erworbenen Fähigkeiten verfügt, die sog. personale Struktur. Als Person ist jeder Mensch einmalig. Einige, so Andreas Wieland, gehen davon aus, dass für jeden Zeitpunkt im Menschen eine eigene Person existiert, die mit allen anderen konkurriert. Dadurch lassen sich Verhaltensweisen wie Faulheit erklären, da man durch zeitliches Verschieben die ungeliebte Tätigkeit selbst nicht erledigen muss, möglicherweise aber eine Nachfolgeperson im Menschen (Selbstkonkurrenz).
Rechtswissenschaft
In der Rechtswissenschaft ist Person jeder, der fähig ist, Träger von Rechten und Pflichten zu sein (Rechtssubjekt). Dies ist in erster Linie ein Mensch, der als natürliche Person bezeichnet wird. Seine Rechtsfähigkeit beginnt nach deutschem Recht mit der Vollendung der Geburt. Daneben existiert aber auch der in Anlehnung an die natürliche Person entstandene Begriff der juristischen Person, die Kraft gesetzlicher Anerkennung Rechtsfähigkeit erlangt. Hierzu werden z. B. Körperschaften oder Vereinigungen wie der eingetragene Verein, die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder die Aktiengesellschaft gezählt.
Weitere Bedeutungen
- Literatur: Die Personen (Figuren) einer Erzählung (Personage).
- Person (Sprache): eine dem Subjekt eines Verbes entsprechende grammatikalische Form
Weblink
- [http://www.theologie-systematisch.de/anthropologie/1grundbegriffe.html theologie-systematisch.de] Aktuelle Literatur zum Person-Verständnis des Menschen
- [http://www.textlog.de/1913.html Person im Wörterbuch der philosophischen Grundbegriffe von Friedrich Kirchner (1907)]
- [http://www.moderatorenschule-muenchen.de TV-Coaching für Anfänger und Fortgeschrittene, Fit for Casting, Videofeedback]
Kategorie:Mensch
Kategorie:Allgemeine Zivilrechtslehre
Kategorie:Soziale Rolle
Kategorie:Psychologie
Gregory BatesonGregory Bateson ( - 9. Mai 1904, † 11. Juni 1980) war ein angloamerikanischer Anthropologe, Sozialwissenschaftler und Kybernetiker, der viele verschiedene Felder bearbeitet hat. Als origineller Denker, der erkenntnistheoretische, biologische, linguistische, psychologische und anthropologische Fragestellungen unter systemischer Perspektive bearbeitete, ist er einer der einflussreichsten Universalgelehrten des 20. Jahrhunderts. Sein Vater, William Bateson, war ein bekannter Biologe und Genetiker.
Leben
In den 30er Jahren unternahm Gregory Bateson Feldforschungen in Neu-Guinea und veröffentlich anschließend den Aufsatz Konzept der Schismogenese (1935), der unter den wissenschaftlern beachtet wurde. Ab 1942 war er dann zusammen mit Norbert Wiener an den ersten Entwicklungen der Kybernetik und der Informationstheorie beteiligt. Fünf Jahre später erhielt Gregory Bateson eine Stelle als "Visiting Professor" für Anthropologie an der Harvard University. Er begann seine Arbeit am Palo Alto VA. im Jahre 1950 und erlangte ein Rockefeller-Stipendium, um in Palo Alto Wynne Kommunikation am NIMH zu studieren. 1954 leitete Gregory Bateson ein Forschungsprojekt über schizophrene Kommunikation.
Gregory Bateson wurde 1972 er Mitglied der University of California at Santa Cruz und vier Jahre später 1976, wurde er zum Mitglied des Board of Regents of the University of California ernannt.
Überblick
Bateson ist u.a. wegen der Entwicklung der psychologischen Doppelbindungstheorie bekannt. Er war zwei Jahre mit der Anthropologin Margaret Mead verheiratet. Aus dieser Ehe stammt die Tochter Catherine Bateson, die ihre Erinnerungen an die Eltern in dem Buch Mit den Augen einer Tochter (Reinbek 1986) veröffentlichte.
Einige von Batesons bekanntesten Arbeiten sind in seinen Büchern Steps to an Ecology of Mind (1973) und Mind and Nature (1980) zu finden. Bateson räumte selbst ein, dass seine teilweise abstrakte Schreibweise dazu beitrug, dass er häufig missverstanden wurde. Nachdem sich systemisches Denken in den letzten Jahrzehnten immer stärker durchgesetzt hat, sind viele seiner Gedankengänge heute nicht mehr so irritierend wie bei ihrer ersten Publikation. Bei sorgfältiger Lektüre sind Batesons Schriften nach wie vor eine Quelle der Weisheit und der intellektuellen Bereicherung.
Er spielte in der Entwicklung der Kybernetik eine entscheidende Rolle. Er war es, der bahnbrechende systemtheoretische und kybernetische Denkansätze in die Sozial- und Humanwissenschaften einführte und damit zum genialen Begründer der systemischen Therapie wurde.
Siehe auch: Bertrand Russell, Paul Watzlawick, NLP
Zitate
- "NLP ist der erste systematische Ansatz zu lernen, wie man lernt."
- "Evolution ist lange Zeit schlecht gelehrt worden."
- "Ein Hund oder eine Katze nimmt freiwillig eine unterwürfige Position ein, um mit Ihnen Rapport aufzunehmen. Wenn Sie mit einem Delphin schwimmen, kehrt sich Relation um: Sie sind das Kind und er der Erwachsene.
- Ein Mann wollte wissen, wie es sich mit dem Geist in seinem Computer verhält und fragte ihn daher `Rechnest du damit, dass du jemals denken wirst wie ein menschliches Wesen?' Worauf nach einiger Zeit der Computer antwortete `Das erinnert mich an eine Geschichte.´ (Aus Bateson, Geist und Natur, 1979)
- "Das Lebewesen, das im Kampf gegen seine Umwelt siegt, zerstört sich selbst." (Bateson, G. 1981,"Ökologie des Geistes")
Werke
- 1968 Kommunikation. Die soziale Matrix der Psychiatrie; zus. mit Jürgen Ruesch (ISBN 3-927809-40-3)
- 1972 Ökologie des Geistes; Frankfurt a.M. 1981 (ISBN 3-518-28171-2)
- 1979 Geist und Natur. Eine notwendige Einheit; Frankfurt a.M. (ISBN 3-518-28291-3)
Literatur
- Wolfram Lutterer, Auf den Spuren ökologischen Bewusstseins. Eine Analyse des Gesamtwerks von Gregory Bateson; (Books on Demand) (ISBN 3-89811-699-9)
- ders., Gregory Bateson: Eine Einführung in sein Denken; (ISBN 3-89670-237-8)
- Edmond Marc u. Dominique Picard, Bateson, Watzlawick und die Schule von Palo Alto; (ISBN 3-8257-0106-9)
- Wolfgang Walker, Abenteuer Kommunikation. Bateson, Perls, Satir, Erickson und die Anfänge des Neurolinguistischen Programmierens (NLP); (ISBN 3-608-91976-7)
- Gregory Bateson u.a.: Schizophrenie und Familie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-518-28085-6
Weblinks
-
- [http://home.tiscali.de/alex.sk/D_Bateson.html Gregory Bateson: Auf dem Wege zu einer Schizophrenie-Theorie]
- [http://www.univie.ac.at/linguistics/publikationen/diplomarbeit/schepelmann/Daten/bateson.htm Gregory Bateson und die Gruppe von Palo Alto]
- [http://beat.doebe.li/bibliothek/p00001.html Beats Biblionetz: Gregory Bateson]
Bateson, Gregory
Bateson, Gregory
Bateson, Gregory
Bateson, Gregory
Bateson, Gregory
PolytheismusPolytheismus (v. griech.: poly viel und theoi Götter), auf Deutsch auch als "Vielgötterei" bezeichnet, ist religiöse Verehrung einer Vielzahl von Göttern oder Geistern.
Die meisten Religionen des Altertums waren polytheistisch und verfügten über ein jeweiliges Pantheon traditioneller Gottheiten, häufig angereichert mit Gestalten aus jahrhundertealten kulturellen Begegnungen und Erfahrungen.
Heutige polytheistische Religionen sind vor allem der Shintoismus, Bön, einige Formen von Wicca, Voodoo, und Asatru.
Entgegen einer noch immer verbreiteten Annahme sind Hindus nicht Polytheisten. Ihre Götterwelt ist, von außen betrachtet, anscheinend vielfältig - aber ebensowenig wie Christen sich als Polytheisten bezeichnen, weil sie die Dreiheit von Vater-Sohn-Heiliger Geist anbeten, kann man Hindus Polytheisten nennen. Folgendes kurzes Gebet, in verschiedenen Variationen bekannt, drückt das hinduistische Verständnis vom Göttlichen, hier weiblich gesehen, aus: Wie die Sonne, die sich in den Teichen spiegelt, als ungezählte Sonnen erscheint, so erscheinst auch du, O Mutter, als viele - Du Eine ohne Zweites, Höchstes Brahman! (Mahakalasamhita). Sämtliche Upanishaden setzen sich mit dieser "Einheit in der Vielfalt" auseinander.
Es gibt es eine große Zahl von entsprechenden Glaubensformen traditioneller Stämme in Afrika, einige im Regenwald der ozeanischen Inselwelt (vor allem Papua Neuguinea, dort z.t. sogar Steinzeitkulturen) und in Amazonien. Letztere schrumpfen teils durch das Aussterben dieser Stämme, ihr Aufgehen in der modernen Kultur oder Missionierung durch christliche oder islamische Gruppen. Die äußerst unterschiedlichen Götter- und Geisterwelten der Naturstämme werden oft unter dem Oberbegriff "Animismus" zusammengefasst.
Soweit traditionelle Stämme oder Völker einen neuen monotheistischen Glauben (oder in den sozialistischen Ländern, z.B. der Sowjetunion den Atheismus) aufgezwungen bekamen, wurde und wird der alte polytheistische Glaube oft heimlich von vielen oder wenigen weiterpraktiziert. Bei Nachlassen des staatlichen oder sozialen Drucks entstanden und entstehen dann teilweise Mischreligionen. So gibt es in Südamerika sowohl Mischreligionen zwischen Christentum und alten polytheistischen religösen Vorstellungen bestimmter Indiostämme als auch zwischen Christentum und alten polytheistischen Glaubensystemen der Nachkommen der vor allem aus Westafrika in die Sklaverei verschleppten Menschen.
Teilweise werden die Glaubenssysteme der Völker und Stämme, bewahrt oft von wenigen Menschen, auch komplett reaktiviert, wie dies zur Zeit bei einigen kleinen Völkern in Sibirien zu beobachten ist. Solche Reaktivierungen gibt es auch bei bei Teilen einiger nordamerikanischer Indianerstämme. Eine sehr kleine Zahl von Menschen versucht sogar seit Jahrhunderten ausgestorbene polytheistische Systeme, über deren tatsächlichen Inhalt kaum etwas bekannt, ist wie den keltischen Glauben und Götterhimmel wiederzubeleben. Trotz Verwendung alter Namen und Zeichen handelt es sich dabei aber um Neuschöpfungen, weil die dort übliche orale Tradition abgerissen ist und durch moderne Spekulation ersetzt werden muss.
Der Buddhismus wird zumindest von seinen Angehörigen nicht als polytheistisch angesehen. Jedoch verfügen einige Glaubensrichtungen über einen umfangreichen Götterhimmel, denen teilweise in Gebet, durch Opfer und durch vielfältige Rituale gehuldigt wird.
Einige jüdische und islamische Gelehrte verstehen die christliche Trinitätslehre ebenfalls als Polytheismus, was die Christen deutlich zurückweisen. Die Lehre des Mormonismus von der "Mehrzahl der Götter" wird von anderen Christen als polytheistisch bezeichnet, was die Mormonen wiederum zurückweisen.
Polytheismus im Altertum
Zu den bekannten Götterwelten des antiken Polytheismus zählen die der sumerischen Götter; der griechischen und römischen Götter; der ägyptischen Götter, die skandinavischen Aesir und Vanir, Orisha, Yoruba, die Götter der Maya und Azteken. Heute bezeichnet man die meisten historischen polytheistischen Religionen als Mythologie
Nur wenige Religionen des Altertums waren nicht polytheistisch. Dazu zählen das monotheistischen Judentum und Christentum, der dualistische Zoroastrianismus sowie der Mithraismus und evtl. der kurzlebige Atonismus des Echnaton in Ägypten um 1350 v. Chr.
Dagegen herrschte bei nahezu allen Stämmen und Völkern der Frühzeit die Vorstellung, dass es viele Götter und Göttinnen gebe. Bereits eine sumerische Götterliste aus der ersten Hälfte des 3. Jahrtausends umfasst rund 1000 Götternamen, die vor allem verschiedene Kräfte der Natur repräsentieren.
Warum die Menschen der Frühzeit in ihren Bemühungen ihre Umwelt und ihr Schicksal zu verstehen und zu bewältigen eher einen Pantheon von Göttern und Göttinnen aufbauten, als an einen einzigen Gott zu glauben, kann man exemplarisch illustrieren an einem mesepotamischen Mythos, der komplett auf einen Keilschrifttäfelchen ca. aus dem Jahr 1700 v.Chr. zu finden ist. Fragmente dieses Mythos findet man aber auch noch auf Resten von Täfelchen aus der Zeit 700 v. Chr. - er ist also mindestens 1000 Jahre lebendig geblieben. Die Götter beauftragten den Pestgott Namtar die Menschen zu vernichten. Dieser begann sie mit der Pest zu töten. Ein Gott aber, der Mitleid mit den Menschen hatte, nämlich Enki, verriet dem Menschen Atrachasis ein Ritual mit der sie die Seuche besiegen können. Die Menschen sollen von allen Göttern ausschließlich den Pestgott Namtar verehren und nur ihm opfern und zwar bis er überschüttet mit Opfern von seinen tödlichen Tun ablässt. So geschieht es. Dank der Opfer lässt der Pestgott von seinem Wüten ab und die Menschheit lebt weiter. Nun beschließen die Götter, dass der Regengott Adad es nicht mehr regnen lassen soll und die ihm zugeordnete Korngöttin Nisaba kein Korn mehr wachsen lassen soll. So geschieht es. Und wieder verrät der Gott Enki dem Atrachasis das rituelle Gegenrezept: Nun verehren und opfern die Menschen allein Adad und Nisabe, und zwar bis Regen fällt und die Vegetation wieder auflebt. Dieser Mythos zeigt die Ursache für den Polytheismus. Die Menschen in ihrer Sorge Gefahren wie Seuchen abzuwenden und lebensspendende Zustände wie Regen, Sonne oder Fruchtbarkeit der Pflanzen und Tiere aufrecht zu erhalten, suchen Wege dies durch magische und rituelle Handlungen abzusichern und stellen sich für das jeweilige Problem Götter und Göttinnen als ansprechbare und beeinflussbare personale Wesen vor. Einige der Völker stellen sich die Götter in Menschengestalt vor (anthropomorph), einige in Tiergestalt (zoomorph), einige in beiden Gestalten und teilweise auch als Mischwesen. (Schon in den Felszeichnungen als ältesten Zeugnissen menschlicher Bilddarstellung gibt es Tierdarstellungen, Menschendarstellungen und vereinzelt Mischwesen.) Im mesepotamischen und im kanaanitischen Pantheon haben die Götter und Göttinnen fast durchgehend Menschengestalt. Tiergötter und Menschtiermischwesen finden sich dagegen stark vertreteten in Ägypten und im amerikanischen Kulturkreis.
In vielen Zivilisationen neigten die Götterwelten dazu, mit der Zeit anzuwachsen. Gottheiten, die zunächst zum Schutz bestimmter Städte oder Plätze angebetet wurden, wuchsen mit der Vergrößerung der Reiche zu mächtigen Nationalgöttern heran. Eroberungen konnten zur Unterordnung eines älteren Pantheon in der besiegten Kultur führen bis ein neueres entstand, wie in der griechischen Titanomachie und vielleicht auch bei Aesir und Vanir in Skandinavien. Kultureller Austausch konnte dazu führen, dass "die gleiche" Gottheit an zwei Orten unter unterschiedlichen Namen verehrt wurde, wie es bei den Griechen, Etruskern und den Römern der Fall war. Ähnliches geschah bei der Einführung von Elementen einer "fremden" Religion in einen lokalen Kult, als die ägyptische Osirisreligion nach Griechenland gebracht wurde.
Erdichten, Erschauen, Import von Göttern
Es ist zu vermuten, dass die Gründe für den Import von Göttern und Mythen die gleichen sind, wie die Gründe für das bewusste "Erdichten" oder das
"Erschauen" von Göttern und deren Funktion und Geschichten in erinnertem Traum oder Visionen und Trance - seien sie bewusst oder unbewusst hervorgerufen durch Schlaf, Zeremonien, Meditationstechniken, Hunger (Fasten), Drogen, überlangem Wachen (Schlafentzug) oder auch Krankheiten (z.B. Fieberträume) oder Fehlfunktionen des Gehirns).
Insbesondere dem Erdichten kommt wohl allerdings eine größere Rolle zu, als gemeinhin angenommen wird. Der Gilgamesch-Epos, um die älteste Schicht sumerischer Überlieferung anzusprechen ist religionsschöpfend, hat aber weder etwas von einer Vision noch gar etwas von einem Fiebertraum. Es geht viel mehr um Weltverständnis, Welterklärung und um Fertigwerden mit der Welt, dem Zusammenleben mit anderen Menschen und damit um Fertigwerden mit dem eigenen Leben. Die Menschen suchen einen Weg, ein Taoist würde sagen das Dao, durch das Leben. Von dem uralten sumerische Zyklus um die Liebesgeschichte von Inanna und Dumuzi wurden bisher 38 Liebeslieder, die gleichzeitig Kultgesänge sind, mit 1700 Versen gefunden. Auch hier liegt hochwertige religiöse Dichtung vor, nicht die Niederschrift eines Fiebertraumes. Wem das ungewöhnlich erscheint, sollte sich einmal anschauen, wieviele Geschichten man über erfundene Völker, Welten, Fabelwesen, Dämonen und Wunder - neu erschaffen - in einer jeden Buchhandlung in der Ecke mit Fantasy und Science Fiction finden kann. Den Menschen ging es aber damals nicht darum, sich in eine bunte und spannende Phantasiewelt zu träumen, obwohl auch dieses Motiv in manchen Geschichten und Mythen sichtbar ist, sondern um ein Zurechtfinden in der Welt, ein Zurechtfinden mit ihrem Leben und auch um Kontrolle über dieses Leben und auch das Unkontrollierbare, wie der Aussicht zu Sterben. Schon die frühesten Handelsbeziehungen führten auch zu Kontakten mit fremden Mythen und Glaubensvorstellungen. Soweit diese faszinierend sind, werden sie gehört und später auch gelesen, so wie man heute noch die ja ebenfalls vom Ursprung her religiösen Sagen der Griechen, Römer und Germanen liest, ohne dass mehr als eine handvoll der Millionen Leser beginnt griechische Götter anzubeten. Wenn die Annahme dieser Geschichten und Glaubensinhalte als wahr aber verspricht eine Minderung eigenen seelischen Leides (Ängste, Unsicherheit, Trauer, Einsamkeit, Sinnlosigkeit, Zweifel etc.) oder eine Verbesserung des seelischen Zustandes (Ermutigung, Sinn, innere Ruhe, Entschlossenheit, Tröstung, Geborgenheit), positive Gemeinschaft mit Menschen und Kontrolle über das eigene Schicksal, bedrohliche oder erwünschte Naturkräfte und Menschen, ist mit der Annahme eines neuen Mythos bzw. Glaubens zu rechnen.
Götter und Göttlichkeit
Obgleich viele Formen des Buddhismus, vor allem im Mahayana, die Verehrung von Bodhisattvas mit einschließen, werden diese nicht als göttliche Wesen betrachtet. Eher gelten Bodhisattvas als Menschen, die ein hohes Stadium der Erleuchtung erreicht haben und ein buddhistisches Gebot ist, das über den Weg vieler Lebensalter, bestimmte Menschen einen ähnlichen Zustand der Erleuchtung auch erreichen können.
Dass eine Person an mehrere Götter glaubt, deutet nicht an, dass er sie alle notwendigerweise gottesdienstlich verehrt. Zahlreiche Polytheisten glauben an eine Vielfalt von Göttern, aber verehren nur einen. Diese Variante des Polytheismus wird ist Henotheismus genannt. Einige sehen im henotheistischen Polytheismus eine Form des Monotheismus, einige Historiker meinen, die monotheistischen Religionen seien im Henotheismus entstanden. Praktisch alle Juden, Christen und Moslems heute sehen jedoch den Henotheismus als Polytheismus an.
Idolatrie
Viele Monotheisten sehen im Polytheismus eine Form des Götzendienstes. Für Monotheisten kommt alle Macht allein von Gott, und nicht von anderen übernatürlichen Göttern oder deren Stellvertretern.
Nach polytheistische Anschauungen ist "Gott" bestenfalls bloß der stärkste der Götter; solch ein Wesen könne nicht allmächtig sein, und folglich könne solch ein Gott keinen souveränen Willen haben.
Da Monotheisten glauben, Gott sei der einzige Gott, stufen sie den Polytheismus generell als Sünde ein.
Im Gegensatz zu Monotheisten erheben die vielen Götter und Göttinnen eines Polytheisten keinen Alleinigkeitsanspruch. Der Begriff "Götzendienst" leitet sich direkt vom Alleinigkeitsanspruch des monotheistischen Gottes ab. Da ER (von einer Sie wird bislang an dieser Stelle nie berichtet) der einzige wahre Gott ist, können alle anderen Götter nur Trugbilder und Götzen sein.
Weblinks
- [http://www.theologie.uni-goettingen.de/ger_nofr/graduiertenkolleg.htm Graduiertenkolleg "Götterbilder-Gottesbilder-Weltbilder. Polytheismus und Monotheismus in der Welt der Antike"]
(Eine an der Universität Göttingen beheimatete, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Gruppe interdisziplinär arbeitender Nachwuchsforscher(innen), die sich mit verschiedenen antiken Religionen und dabei insbesondere mit dem Verhältnis von Polytheismus und Monotheismus beschäftigt.)
Siehe auch
- Agnostizismus
- Atheismus
- Deismus
- Theismus
- Monotheismus
- Pantheismus
- Henotheismus
- Monolatrie
- Schirk
- Kufr
Kategorie:Theismus
ja:多神教
MythologieMythologie ist die systematische Beschäftigung mit den Mythen, sei dies in literarischer, wissenschaftlicher, mystischer oder religiöser Form. Mythologie ist somit mehr als nur die Gesamtheit der Mythen eines Volkes, einer Region oder einer sozialen Gruppe.
Sehr häufig wird der Begriff aber genau so verwendet, als Gesamtheit der Mythen nach der Zugehörigkeit zu einer Kultur bzw. Region. Daneben kann man auch Mythen zu verschiedenen Themen kulturübergreifend behandeln. Man erhält dann Unterteilungen wie z.B. Landschaftsmythologie, Astralmythologie, Zahlenmythologie, Eschatologie.
Mythologie beschäftigt sich aber auch mit der Frage nach der Herkunft der Mythen und deren Verhältis zu anderen Erzählformen wie Legende, Märchen, Sage. Besonders Märchen werden mitunter als degradierte Mythen angesehen. Die Entwicklung der Mythen als erzählerische Gattung und auch deren Transformation zu Märchen ist Gegenstand der Narratologie. Die Entstehung von Mythen ist auch Gegenstand der Psychologie, besonders der einst modernen Völkerpsychologie.
Da der Gegenstand der Mythen gemeinhin religiös ist, ist deren Erforschung eng mit der Religionsgeschichte verbunden. Informationen aus Mythen sind wichtig zur Rekonstruktion religiöser Vorstellungen. Mythologie, die die Informationen mehrerer Mythen miteinander zu einem religiösen System verbindet, läuft aber Gefahr, etwas zu rekonstruieren, das so nie bestanden hat.
Mythologien verschiedener Kulturen
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Literatur
- Der psychologische Mythos. Kurt Derungs, Edition Amalia, 1996, ISBN 3952076465
- Die Enzyklopädie der Mythologie. Klassisch, keltisch, nordisch. Arthur Cotterell, EditionXXL, ISBN 3897363003
- Lexikon der abendländischen Mythologie Otto Holzapfel, Herder Spektrum, ISBN 3451055007
- Carl Gustav Jung und Karl Kerényi: "Einführung in das Wesen der Mythologie", Walter-Verlag 1999, ISBN 3-530-40061-0
- Karl Kerényi: "Die Mythologie der Griechen - Die Götter- und Menschheitsgeschichten", dtv, ISBN 3-423-30030-2
- Michael Grant und John Hazel: "Lexikon der antiken Mythen und Gestalten", dtv, ISBN 3-423-32508-9
- Robert von Ranke-Graves: "Griechische Mythologie - Quellen und Deutung", rororo, ISBN 3-499-55404-6
- Robert von Ranke-Graves: "Die Weiße Göttin - Sprache des Mythos", rororo, ISBN 3-499-55416-X
- Roland Barthes: "Mythen des Alltags." edition suhrkamp, 1964, ISBN 3-518-10092-0
- Joseph Campbell: "Die Masken Gottes", (vier Bände), DTV 1996, ISBN 3423590343
- Joseph Campbell: "Der Heros in tausend Gestalten", Insel 1999, ISBN 3458342567
- Christoph Jamme: "Gott an hat ein Gewand - Grenzen und Perspektiven philosophischer Mythos-Theorien der Gegenwart", Suhrkamp 1999, ISBN 3518290339
- Heinrich Zimmer: "Indische Mythen und Symbole", Diederichs 2000, ISBN | | |